ZUM LESEN

Hier findest du Texte, Arbeitsrückmeldungen und Meinungen über unser Kunstprojekt.

September 2018

Es beginnt mit einer Postkarte

Anfangs September erhielten alle Klassen der Schule Wittnau eine Postkarte von Carmela Gander. Auf der Vorderseite präsentierten die Karten eine Fotografie, auf der Rückseite ein Wort (Weg, Glück, Traum, Zeit, Ort, Nacht), darunter ein kurzer Text. Zum Schluss in grossen Buchstaben eine Frage an die Kinder.

In jeder Klasse wurde nun über diese Postkarte und das jeweilige Wort diskutiert. Die Kinder formulierten eigene Gedanken zum Thema und gestalteten ihrerseits eine Postkarte für Carmela. Über hundert Antwortkarten bildeten so den Auftakt in den Austausch und die Auseinandersetzung zwischen den Kindern der Schule Wittnau und der Luzerner Künstlerin.

Am 11. September 2018 waren Carmela und Jeannine zum ersten Mal zu Besuch an der Schule Wittnau. Von jedem Klassenzimmer führte ein neonoranger Faden kreuz und quer durchs Schulhaus und über den Pausenplatz in den dunklen Schulestrich. Hinter alten Schultischen und verstaubten Kartons hatte Carmela eine kleine Ausstellung für die Kinder vorbereitet: An einem Balken hing eine Landkarte mit grossen neonorangen Buchstaben. In einer Ecke stand ein Stuhl, vollkommen eingewickelt mit einem dünnen Faden - auch er in neonoranger Farbe. Der gleiche Faden hing auch aus einer Teekanne, die nur aus Wachse bestand. Daneben rechteckige, dicke Wachsplatten. Darin versteckten sich alte Fotografien und wieder konnte man - fein eingearbeitet - Spuren des leuchtenden Fadens entdecken.

Carmela präsentierte den Kinder die mitgebrachten Arbeiten und Objekte und innert kürzester Zeit wurde die Künstlerin mit allerlei Fragen überhäuft: Wieviel Faden hast du benötigt, um den Stuhl einzuwickeln? Wie kamen die Fotos in die Wachsplatten? Weshalb arbeitest du mit einem neonorangen Faden? Wie hast du die Buchstaben auf die alte Landkarte genäht?

Staunende Blicke und offene Münder gab es spätestens dann, als die Kunstwerke mit Schwarzlicht beleuchtet wurden und der neonorange Faden geheimnisvoll im dunklen Estrich zum Leuchten kam.

Zum Schluss dieses Besuchs präsentierte Carmela den Kindern ihr persönliches Skizzeheft. Sie erzählte den Kindern, dass sie Tag für Tag eine Zeichnung macht. Oft sind es diese Zeichnungen, die Carmela zu einer neuen Arbeit inspirieren.

Zurück im Klassenzimmer bastelte sich jedes Kind ein eigenes Skizzeheft. Bis zum Start von Carmelas Residenz können die Schülerinnen und Schüler nun ihre eigenen Zeichnungen, Ideen und Texte sammeln und dokumentieren.

 

Text von Daniel Jeseneg 

WOCHE 2: 22.-26. OKTOBER 2018

IMpressionen vom ersten ateliertag

woche 3: 29.-31. oktober 2018

Die suche nach ideen und themen

Während in der ersten Atelierwoche vor allem mit Materialien und Techniken experimentiert wurde, tasten sich die einzelnen Klassen ab der zweiten Woche im Austausch mit Carmela und Jeannine an mögliche Ideen für ein Kunstwerk heran. Helena aus der Klasse 3.-6. B schildert im folgenden Bericht wie in ihrer Klasse nach Ideen und Themen gesucht wird.

 

Carmela und Jeannine warteten schon auf uns im Atelier. Wir setzten uns alle in einen Kreis und Jeannine erklärte uns, dass wir ein „Elfchen“ (Gedicht mit 11 Wörtern) zum Thema Nacht machen könnten. Jeder schrieb ein Elfchen und trug es dann der ganzen Klasse vor. Mein Elfchen ging so:

 

Sternschnuppe

grossartig hell

der schönste Schweif

ich fühle meine Müdigkeit

Wunsch

 

Carmela zeigte uns dann ein paar Skizzebücher von unserer Klasse, die ihr sehr gefallen hatten. Sie erklärte uns, was sie an den Skizzen interessant findet. Danach konnten wir an verschiedenen Posten arbeiten. Ein Posten hatte mit Wachsgiessen zu tun, bei einem anderen wurden Ballone mit orangem Faden und mit Gelatine umwickelt. Man konnte auch einen Gegenstand, den man von zuhause mitgebracht hatte und der zum Thema „Erinnerung“ passt, mit orangem Faden umwickeln. Etwa eine Stunde später setzten wir uns wieder in den Kreis und wir bekamen einen anderen Auftrag. Wir mussten überlegen, was wir an der Vernissage den Leuten zeigen möchten. Wir hatten 5 bis 10 Minuten Zeit und dann sagte jedes Kind, was es sich überlegt hatte.

Als die Runde zu Ende war, sagten Carmela und Jeannine, welche Ideen ihnen besonders gefallen hatten. Ihnen gefiel besonders die Idee von Celine, einem Mädchen aus der 3. Klasse. Celine sagte: „Man könnte auf einem Trampolin liegen und den Sternenhimmel betrachten.“ Die Künstlerinnen fanden die Vorstellung mit dem Trampolin und dem Sternenhimmel spannend. Gut möglich, dass wir einen Sternenhimmel als Kunstwerk bauen.

Bis zum nächsten Ateliertag müssen wir in unsrem Skizzeheft weitere Einträge zum Thema Nacht machen. Wir können zeichnen und Gedichte oder Texte schreiben.

 

Text von Helena

Woche 4: 5.-9. november 2018

Aufnahme der Thematik „ArtistS in Residence“ und „Erinnerungen / memories“ im Englischunterricht der 6. Klasse

Angeregt durch das Thema „The early life of Paul Klee“ aus dem Englischlehrmittel benutzte die 6. Klasse den Aufenthalt von Carmela und Jeannine im Schulhaus Wittnau, um mehr über die Arbeit und das Leben einer Künstlerin zu erfahren. Die beiden erklärten sich spontan bereit, bei einem Interview auf Englisch mitzumachen. Beim vorgängigen Zusammenstellen der Fragen zeigte sich bereits das grosse Interesse der SchülerInnen. Dieses bestätigte sich bei der Durchführung. Die Jugendlichen hörten den Ausführungen aufmerksam zu und stellten spontan weitere vertiefende Fragen auf Englisch.

 

Elias: How did you get the idea to work as an artist?  

Carmela: I always liked to draw and paint as a child. With my grandma I learnt to draw and sew (nähen). I studied communication design, but even then I felt like I would like to become an artist. After a few years of design work, I finally decided to just make art.

Jeannine: I am not an artist myself. I went to art school and worked as an artist for a couple of years. But I realized that I don’t like to work alone. I like to work with people and get an immediate response to what I do. So working as an art educator is perfect for me.  

 

Mafalda: Why do you use an orange thread? (Faden)
Carmela: I am fascinated by the combination of this orange colour in combination with „blacklight“. I still have a lot of ideas for art works with this thread.

Mafalda: Do you want to be an artist for the rest of your live?

Carmela: Yes, I hope to be an artist for the rest of my life.

 

Rahel: Why do you like this job?
Jeannine: I like to work with different people, schools and artists. These projects are very intense and I will always remember what it was like to work with a particular artist or a school. I enjoy to see the ideas of children and what they are interested in.

 

Sarah: Why don’t you take a pink thread?
Carmela:
I use this orange because I am still fascinated by it. It works well in contrast with the colours of the maps that I sew on and also with the „blacklight“.

 

Lina: How is your life as an artist?

Carmela: I like to work alone and to be independent. Sometimes it’s difficult to be alone and you need help, then I invite friends and other artists to come and look at a project and talk about it with me. Every day is different.

 

Mirjam: Why do you just work with threads and no other materials?
Carmela: I have no reason to change the materials. I also use wax, salt and maps. Working with less materials gives me more freedom and creativity in working.

WOCHE 5: 12.-16. november 2018

IDEENSKIZZEN, mind-maps und WOrtsammlungen

In und um Carmelas Atelier findet man in diesen Tagen viele Papiere und Plakate mit Stichworten, kurzen Texten, Wortsammlungen, kleinen Zeichnungen und Skizzen. Diese Papiere und Plakate stammen aus den Diskussionen mit den Klassen über die geplanten Kunstwerke. 

woche 5: 12.-16. november 2018

WAS IST KUnST?

Seit fünf Wochen lebt und arbeitet Carmela an unserer Schule in Wittnau. Die Kinder konnten nun schon viel Zeit mit der Künstlerin im Atelier verbringen. Sie sehen und spüren wie Carmela denkt, arbeitet, beobachtet und ständig nach Ideen sucht. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3.-6.B haben sich Gedanken zur Arbeit im Atelier und zum Thema Kunst gemacht?

 

Was gefällt dir an Carmelas Kunst?

Mir gefällt an der Kunst von Carmela, dass es etwas ist, das nicht so häufig gesehen wird wie zum Beispiel das Malen. Mir gefallen die Ideen von Carmela. Ein Stuhl oder ein Fahrrad einzuwickeln, ist etwas Besonderes. Carmela arbeitet nur mit diesem Faden, nie mit etwas anderem. Also mir würde das langsam langweilig werden.

 

Mir gefällt an Carmelas Kunst die Art von ihren Ideen. Sie sagt immer: „Ja, das probieren wir aus!“ Sie ist nicht pingelig. Sie ist anders wie die meisten in der Schule.

 

Mir gefällt an Carmelas Kunst, dass sie nicht einfach nur malt. Sie arbeitet mit einem neonorangen Faden. Das ist etwas ganz anderes wie malen. Ich finde es viel spannender.

 

Mir gefällt an Carmelas Kunst der neonorange Faden. Wenn man Gegenstände einwickelt, gibt es daraus wie neue Gegenstände. Der neonorange Faden und die Punkte leuchten im Schwarzlicht sehr schön. Die Punkte und der Faden sehen im Schwarzlicht wie Sternzeichen aus.

 

Mir gefällt an Carmelas Kunst der orange Faden. Ich habe noch nie so etwas mit einem Faden gesehen. Gut ist bei Carmela auch, dass ihre Kunst so vielfältig ist. Der orange Faden sticht bei ihrer Kunst sofort ins Auge.

 

Die Arbeit mit Carmela und Jeannine ist anders wie der „normale“ Unterricht. Weshalb?

Die Arbeit mit Carmela ist anders als normaler Unterricht. Carmela ist keine Lehrperson, sie ist eine Künstlerin. Die Arbeit ist einfach anders, weil du besprichst etwas wie in einem Kaffeekränzli, ohne dass du etwas falsch sagen kannst. Es ist nicht so, dass Carmela dich ausfragt und du etwas falsch sagen könntest. Egal was du sagst, es ist nicht falsch. Das ist der Unterschied. Bei Lehrpersonen wird mir oft gezeigt, was falsch ist. Beispielsweise in der Mathe gibt es Fehler, die du verbessern musst. Das ist bei Carmela überhaupt nicht der Fall. Ich sage aber nicht, dass nie etwas „falsch“ sein darf.

 

Wir reden bei Carmela und Jeannine auf Schweizerdeutsch und sie beide sagen nicht, dass wir nur im Flüsterton reden dürfen. Die Arbeitsplätze sind verteilt. Es gibt Steh- und Sitzplätze Bei Carmela und Jeannine probieren wir auch mal Sachen aus, die vielleicht nicht im ersten Anlauf funktionieren.

 

Mir gefällt, dass man dort nähen kann und dass man Sachen entwickeln kann. Mir gefällt auch, dass man seine Fantasie nutzen kann.

 

Was ist Kunst?

Für mich ist die Arbeit einer Künstlerin eine kurzfristige Sache. Denn Jeannine und Carmela sagen oft, wir wissen dann noch nicht, was wir das nächste Mal machen. Ein Lehrer weiss fast immer, was er die nächsten Wochen mit den Kindern macht. Ich könnte mir das überhaupt nicht vorstellen als Künstlerin zu arbeiten.

 

Kunst ist nicht immer verständlich. Kunst ist etwas Schönes. Kunst ist etwas Spezielles. Kunst ist nie gleich.

 

Kunst ist alles, was es auf dieser Welt gibt. Kunst kann niemand nachmachen.

 

Kunst ist nicht immer malen, es kann auch nähen sein.

WOCHE 6: 19.-23. NOVEMBER 2018

EIN STERNENHIMMEL ENTSTEHT: 17'000 KLEBEPUNKTE, 300 FOLIEN und 3 KILOMETER FADEN

Wir haben für das Kunstprojekt das Thema Nacht angesteuert. Danach haben wir Sternenbilder aus neonorangen Punkten und neonorangem Faden hergestellt. Die Sternenbilder entstanden auf einer durchsichtigen Plastikfolie. Es entstanden Zebras, Lastwagen usw. Jetzt, so kurz vor der Vernissage wurden fast 17’000 Punkte und knapp 300 Folien beklebt und 3 Kilometer Faden verbraucht.

Es ist eine anstrengende Arbeit, Punkt für Punkt mit Faden auf Folien zu kleben. Aber man wusste immer, es wird sich lohnen. Seit kurzem sind wir nun drauf und dran die Bilder aufzuhängen. Wenn dann das Schwarzlicht dazu kommt, sind die Punkte orange leuchtend.

Text von Linus

 

Wir haben ein Kunstprojekt mit Carmela Gander gemacht. Unser Projekt besteht aus einem neonorangen Faden und neonorangen Punkten. Wir kamen auf die Idee einen neonorangen Sternenhimmel zu machen. Wir haben dann verschiedene Gegenstände und Dinge gesammelt. Wir haben dann Skizzen von diesen Gegenständen gemacht. Dann haben wir eine Folie genommen und über die Skizze gelegt. Dann haben wir die Fäden mit den Punkten verbunden. Als wir fertig waren mit dem Punkten, mussten wir noch die Rückseite machen. Wir haben dann bei der Oberseite der Folie einen Falz machen müssen. Dann haben wir zwei Löcher gemacht. Dann haben wir eine sieben Meter lange schwarzen Faden abgeschnitten und dann haben wir ein Ende des Faden durch das Loch geschoben. Dann konnten wir das Bild auf der Turnhallenbühne aufhängen. 

Text von Yannick